Knickbeiwert Holzstütze - 70%-Regel?

Knickbeiwert Holzstütze - 70%-Regel?

Ungelesener Beitragvon Dieter B. aus B. am Do 4. Feb 2016, 15:31

Sehr geehrte Kollegen,

folgendes Problem beschäftigt mich seit geraumer Zeit:
ich rechne die Holzstützen so oft wie möglich per Hand, um den Ausdruck schlank zu halten.

Nun ist mir aufgefallen, dass die kc-Werte aus dem ursprünglichen EC 5 (zu finden im WH, STB oder auch den Bemessungstafeln von mb) nicht mehr passen.
Da meine Bauteile oftmals der NKL 2 zuzuordnen sind, ist oft ein deutlich geringer kc-Wert anzusetzen. Das Harzer-Modul rechnet dieses auch richtig.
Ich bin nun in letzter Zeit dazu übergegangen, mir vom Harzer-Modul nur den kc-Wert auszugeben und dann wieder in meine Handrechnung einzusteigen.
In einem konkreten Fall (Pendelstütze mit l=2,00 m, b/d= 14/14 cm-NH C24, NKL2, Gk=27,0 kN und Qk=20 kN-Schnee) bekomme ich nun aus der EDV auch noch eine geringere Ausnutzung als per Handrechnung.
Das kann ja eigtl. nur an der 70%-Regel aus dem NAD liegen, oder?
Trotzdem will es mir nicht in den Kopf, warum in meinem Fall die EDV-Ausnutzung für das Knicken bei 0,32 liegt und per Handrechnung bei 0,40.
Gibt es jemanden, der hierfür eine sinnvolle Erklärung hat bzw. auch eine Tabelle mit Knickbeiwerten, die für die jeweilige NKL anzuwenden ist?
Vielen Dank im voraus.
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Dieter B. aus B.
 
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Re: Knickbeiwert Holzstütze - 70%-Regel?

Ungelesener Beitragvon R. Harzer am Do 4. Feb 2016, 16:14

Hallo,

das Ganze ist ohne konkretes Beispiel und ohne Kenntnis Ihrer Handrechnung schwierig zu beantworten. Allerdings hat es hier letztens
in den Programmen auch eine Änderung gegeben. Gemäß Auslegung NABau braucht die 70% Regel nämlich in der Lastfallkombination
"nur ständig", also z.B. 1,35*g nicht angewendet werden, was vorher nicht so definiert war und gerade in dieser LFK zu den größten
Ausnutzungen führte. Liegt es ggf. daran?
Mit freundlichen Grüßen
R. Harzer
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Re: Knickbeiwert Holzstütze - 70%-Regel?

Ungelesener Beitragvon R. Harzer am Do 4. Feb 2016, 18:11

Hallo,

ich antworte hier und nicht auf Ihre e-mail, damit der Thread hier nicht einfach so endet:

Sie haben mir eine Eingabedatei und Ihre Handrechnung geschickt und ich habe mir das mal angesehen.
Ihre Handrechnung ist absolut korrekt. Der Anteil der ständigen Last ist kleiner als 70% auch bei g+s.
Daher stimmt der kc-Wert mit 0,80 und die maßgebende LFK mit kmod = 0,90 wird 1,35g+1,50s
bei einer Ausnutzung von 23%. Im Programm ist hier nach der Umstellung wegen der NABau - Auslegung
einfach ein Fehler in der Art, dass dies nicht bei allen LFK konsequent durchgezogen ist, sondern nur
bei den LFK 1,35g und 1,00g dieser Anteil ohne Berücksichtigung bleibt und daher kc auch nicht
abgemindert wird. Wenn aber, wie im vorliegenden Fall z.B. nur eine veränderliche Last aus Schnee
nicht aber aus Q vorhanden ist, dann ergibt das in der LFK 1,35g + 1,50Q eine Längskraft, die wegen Q=0
wieder 1,35g und damit Anteil g>70% ergibt und dann wird kc wieder abgemindert und plötzlich ist
diese LFK maßgebend. Die Bemessung liegt dann zu weit auf der sicheren Seite. Hier muss das
Programm angepasst werden.

Sie können aber den kc-Wert m.E. einfacher z.B. mit dem Programm "Spannungsnachweis-Holz" errechnen.
Sie geben hier ja gleich die Bemessungsgröße ein und definieren den Abteil g dann ja selbst. Unter den
Bemessungsparametern können Sie die Einstellungen für Knicken vorgeben. Die kc-Werte werden ganz
unten mit angegeben.
Mit freundlichen Grüßen
R. Harzer
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Re: Knickbeiwert Holzstütze - 70%-Regel?

Ungelesener Beitragvon Dieter B. aus B. am Fr 5. Feb 2016, 07:30

Hallo Herr Harzer,

vielen Dank für die detaillierte Antwort.
Merkwürdig ist nur, dass Ihr Mitbewerber von F+L die Stütze genauso "falsch" rechnet...
Erst, wenn man auf NKL 1 umschaltet taucht wieder der kc-Tabellenwert auf.

Der kc-Wert ist mir neuerdings ein großes Rätsel, da er doch völlig losgelöst von irgendwelchen NKL ist... oder muss er in NKL 2+3 neuerdings doch um den Faktor 1/kdef reduziert werden?

VlG M. Brockmann
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Re: Knickbeiwert Holzstütze - 70%-Regel?

Ungelesener Beitragvon R. Harzer am Fr 5. Feb 2016, 09:08

...die Umstellung mit der Auslegung des NABau gibt es ja noch nicht so lange. Von daher hat F+L das vielleicht einfach noch nicht
umgesetzt. Im EC5 selbst steht ja nur, dass bei einem Anteil von mehr als 70% ständiger Last die Abminderung vorzunehmen ist, was
dann eben grundsätzlich erst einmal für alle LFK galt, also auch nur ständige Lasten. Das wurde ja erst Ende letztes Jahr klargestellt.
Der kc-Wert ändert sich deshalb in Abhängigkeit von der NKL, weil bei g>70% in NKL 2 und NKL3 bei der Ermittlung von Lambda,rel der E-Modul
eben entsprechend abgemindert wird und sich dann ein anderer Wert für k und auch für kc ergibt.
Mit freundlichen Grüßen
R. Harzer
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Re: Knickbeiwert Holzstütze - 70%-Regel?

Ungelesener Beitragvon Dieter B. aus B. am Fr 15. Dez 2017, 10:59

Moin, moin,

heri nochmal eine konkrete Frage zur Ermittlung des Knickbeiwertes.
Ich habe gerade mit Hr. Weisskopf von F+L telefoniert, weil dessen Holzstützenprogramm bei der angehängten Stütze eine Ausnutzung von 0,44 ermittelt.
Das liegt daran, dass der Lastfall "nur G" maßgebend wird. Bei F+L findet dann trotzdem eine Abminderung von kc (kc=0,42) über den E-Modul statt.
Ist das "richtig"?
Bei dem Harzer-Modul komme ich auf ein kc=0,65.
Vielen Dank und beste Grüße
Marco
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Re: Knickbeiwert Holzstütze - 70%-Regel?

Ungelesener Beitragvon U. Sommer am Fr 15. Dez 2017, 12:24

Hallo,

aus meiner Sicht ist das Ergebnis aus unserem Programm korrekt. Es sind ja nur ständige Lasten und Schnee vorhanden. Bei der LFK 1,35g+1,50s hat das
Eigengewicht einen Anteil von 52% also weniger als 70%. Somit muss die Steifigkeit nicht abgemindert werden. In der LFK 1,35g also nur ständig ist die Abminderung ja gemäß Auslegung NANau nicht notwendig, weil der kmod-Wert mit 0,60 die Kriecheinflüsse eigentlich schon abdeckt.
Mit freundlichen Grüßen,
Ulrich Sommer, Entwicklung und Support bei der Harzer-Statik-Software
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Re: Knickbeiwert Holzstütze - 70%-Regel?

Ungelesener Beitragvon Dieter B. aus B. am Fr 15. Dez 2017, 13:13

Hallo Herr Sommer,

dieser Ansicht bin ich eigtl. auch, obwohl ich das im Nabau DIN nicht so ganz schlüssig dargestellt finde.
Sie beziehen sich doch auf den nachfolgenden Satz, richtig?

"Auslegungsvorschlag des Arbeitskreises:
DIN EN 1995-1-1/NA:2010-12, 5.9.(NA.1) formuliert: „Bei druck-
beanspruchten Bauteilen in den Nutzungsklassen 2 und 3 ist der
Einfluss des Kriechens zu berücksichtigen, wenn der Bemes-
sungswert des ständigen und quasi-ständigen Lastanteils 70% des
Bemessungswertes der Gesamtlast überschreitet“.
Der Auslegungsvorschlag des Anfragenden kann dementspre-
chend unterstützt werden, die Regelung ist auf alle druckbean-
spruchten Bauteile übertragbar."
vom Juni 2017.
Ich habe jetzt nochmal bei F+L eine Anfrage gestellt, aber die machen ja leider meistens sowieso, was sie wollen
(bestes Beispiel hierfür ist auch immer die Diskussion mit den vertikalen Lasten infolge Wind bei einem Gratsparren am Anfall; da weist Lochner immer die vollen Windlasten aus).

Beste Grüße und einen erholsamen 3. Advent.
Marco
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